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Es gibt viele Gründe, warum Du die Kanüle wechseln musst. Und genauso viel zu beachten.  Aber keine Sorge, wir zeigen Dir den Trachealkanülenwechsel. Ganz einfach, Schritt für Schritt – Hier ist alles, was Du dazu wissen musst.

Wann Du die Trachealkanüle wechseln solltest – Indikation und Intervall

Der Wechsel dient der Infektions-Prophylaxe, damit sich die Wunde nicht entzündet und keine Keime entstehen. Beachte das festgelegte Intervall. Es sagt Dir, wann der nächste Wechsel geplant ist, also wie oft Du die Kanüle mindestens wechseln solltest. Außerdem solltest Du Tracheal-Kanüle immer dann wechseln, wenn Du Materialermüdung bemerkst. Oder, wenn sie nicht mehr richtig durchgängig ist. Auch, wenn Du eine Fehllage oder eine Dekanülierung bemerkst, sind das natürlich drängende Gründe. Schließlich kann Sekretverlegung eine weitere Ursache sein. Also: Auch immer dann, wenn etwas nicht mehr richtig funktioniert, ist es dringend Zeit für einen Trachealkanülenwechsel.

Den Patienten auf den Trachealkanülenwechsel vorbereiten

Nicht nur Du musst Dich vorbereiten, auch der Patient. Plane vier bis sechs Stunden ein, solange darf er vor dem geplanten Wechsel nicht mehr Essen oder Trinken. Also: Flüssigkeits- und Nahrungskarenz einhalten.

Mache den Wechsel nie allein. Das ist wichtig: Ihr müsst dafür zu zweit sein, Du brauchst die Hilfe einer weiteren Pflegekraft. Prüfe nun zuerst die Vitalzeichen Deines Patienten und checke die Geräte. Funktioniert alles? Sorge für eine entspannte Atmosphäre, lese die Übergabe und frage Deinen Patienten nach seinem Befinden. Gib ihm die Beruhigungsmittel, die der Arzt verschrieben hat. Braucht Dein Patient durchgehend Sauerstoff, so denke an die Präoxigenierung: 2 bis 3 Minuten lang 3 bis 5 Liter Sauerstoff geben. Öffne die PEG-Sonde und schließe die Pulsoxymetrie an, wenn Du eine hast. Lege nun Dein Material heraus.

Vor dem Trachealkanülenwechsel – Alles bereit?

Folgende Materialien benötigst Du für einen korrekten Trachealkanülenwechsel:

  • 1 Müllabwurf
  • 2 Paar sterile Handschuhe
  • 1 Paar unsterile Handschuhe
  • Händedesinfektion
  • Mundschutz
  • Trachealdiletator
  • Reinigungs-Tücher für das Tracheostoma
  • Wundauflage beiziehungsweiße Schlitz- und unsterile Kompressen
  • 1 Spritze zum Entblocken (20 ml)
  • 1 Spritze zum Blocken des Cuffs (10ml)
  • Gleitmittel (NaCl 0,9 Prozent)
  • frische Feuchte Nase oder Gänsegurgel
  • Nierenschale
  • Absaugkatheter und Absaug-Gerät
  • Die passende Trachealkanüle
  • Eine weitere Trachealkanüle, für den Notfall (1 Nummer kleiner)
  • Für den Notfall: 1 Beatmungsbeutel
  • Die Trachealkanülen Notfallbox

Sieh Dir die ganze Checkliste im Video noch einmal genau an. Sieht es bei Dir genauso aus?

Was Du noch wissen musst, bevor es losgeht

Noch ein paar wichtige Hinweise:

  • Wurde die Trachealkanüle noch nie gewechselt, so wende die Seldinger-Technik an, damit Du den Stromakanal beurteilen kannst. Nach der klassischen Technik kannst Du einen Wechsel nur bei einem stabilen Stroma machen.
  • Beim ersten Wechsel ist im Idealfall die PDL dabei. Erwartest Du Schwierigkeiten, hole einen Arzt dazu.
  • Behalte die Pulsoxymetrie dauernd im Auge. Am besten schaltest Du auch das akustische Signal an, dann kannst Du sie auch hören.

Nicht vergessen: Für den Patienten ist der Trachealkanülenwechsel sehr unangenehm. Er wird deshalb vielleicht unruhig sein, Stress zeigen und einen passager ansteigenden Blutdruck. Stelle Dich darauf ein! Kann er nicht eigenständig atmen, so kann die Situation außerdem schnell lebensbedrohlich werden.

 Im Notfall: Die „Trachealkanülen Notfallbox“

Bevor wir nun loslegen, solltest Du noch wissen, was im Notfall zu tun ist, damit Du schnell reagieren kannst, wenn Du es musst. Vielleicht muss es auch sofort schnell gehen, wenn die Kanüle zum Beispiel verrutscht oder undicht ist.

Denke daran:

  • Hat Dein Patient keine Spontanatmung, kann es zum Abfall der Sauerstoffsättigung kommen. Dann musst Du ihn manuell beatmen, mit Beatmungsmaske und Beatmungsbeutel. Dazu das Tracheostoma abdecken oder abkleben, sonst entweicht die Luft!
  • Ist es kein planmäßiger Wechsel, sondern ein Notfall, verschwende keine Zeit mit der Vorbereitung: Nimm die „Trachealkanülen Notfallbox“! Die Ventilation der Lunge ist das Wichtigste. Stelle die Atmung sicher!

Anleitung: Die klassische Durchführung

Nun da alles bereitliegt und Du gut vorbereitet bist, geht es an die Durchführung. Ablauf mit unserer How-to-Anleitung zur klassischen Technik. Sieh Dir unbedingt auch das Video zum Wechsel der Kanüle unten dazu an.

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Desinfiziere zunächst Deine Hände gründlich, setze den Mundschutz auf, und ziehe die Handschuhe an. Halte Dich dabei an das interne Hygiene-Handbuch und beachte die Sterilität. Checke jetzt, ob die Kanüle einwandfrei ist und teste auch den Cuff: Mit einer sterilen Spritze kannst Du schnell feststellen, ob er dicht ist. Falls eine Innenseele dabei ist, lege diese erstmal zur Seite.

Die Flügel des Kanülen-Schildes sollten über den Rand hinausragen, damit Du später keine Probleme beim Einfädeln des neuen Haltebands bekommst. Die zweite Pflegekraft benetzt nun die Kanüle mit NaCl. Sie löst nun die alte Kanüle und hält sie in Position. Dann führt sie den Absaugkatheter ein und entblockt den Cuff mit der großen Spritze gründlich. Dann zieht sie die Kanüle mit dem Absaugkatheter zusammen heraus und reinigt das Stoma.

Nun setzt Du die neue Kanüle ein. Dazu schiebst Du sie bogenförmig nach unten. Ist der Kanal zu eng, benutze den Dilatator. Die zweite Pflegekraft blockt die neue Kanüle mit der kleinen 10ml-Spritze und misst den Cuff-Druck. Dann schließt sie den Patienten wieder ans Beatmungsgerät an und schließt das Halteband. Zum Schluss noch den Patienten abhören und Vitalzeichen prüfen. Schon ist’s geschafft.

Anleitung: Durchführung mit der Technik nach Seldinger

Nach Seldinger ist die Vorbereitung erstmal gleich. Der Ablauf unterscheidet sich aber schon beim Absaugen. Nach dem Entblocken schneidest Du hier nämlich den Absaugkatheter schräg an. Dieser dient Dir als Führungsstab beim Legen – Die Kanüle wird hier über dem liegenden Katheter eingefädelt. Wie das genau aussieht, siehst Du im Video:

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Fast geschafft: Nach dem Wechsel der Trachealkanüle

Wenn der Patient die Prozedur gut überstanden hat, bist Du fast fertig. Aber nur fast, denn das Auffüllen und Aufräumen darfst Du natürlich nicht vergessen. Ist Dein Patient gelagert, fange mit dem Desinfizieren an: Alles, was jemand berührt hat. Nach dem Aufräumen noch alles dokumentieren und dann der Wechsel geschafft.

Der Ablauf: Zusammenfassung zum TK-Wechsel

Nun kennst Du als Pflegekraft den Ablauf beim Tracheal-Kanülen-Wechsel. Das Wichtigste aus dem Tutorial nochmal im Schnell-Durchlauf:

  • Der TK-Wechsel ist immer dann nötig, wenn das Intervall zu Ende ist oder wenn etwas kaputt ist.
  • Immer zu zweit, niemals alleine!
  • Vergewissere Dich, dass Du weißt, was im Notfall zu tun ist, um die Beatmung zu sichern. Rechnest Du mit Problemen, überlege einen Arzt zu rufen.
  • Lege Dir alle Materialien bereit und prüfe sie, bevor Du am Patienten arbeitest.
  • Überlege, ob Du die Klassische-Technik oder die Seldinger-Technik brauchst
  • Die Flügel des Kanülen-Schildes sollten über den Rand hinausragen, sonst kannst Du das neue Halteband nicht einfädeln. Nicht erst am Patienten anpassen, sondern vorher!
  • Bei der klassischen Technik kommt die Kanüle mit dem Absaugkatheter raus.
  • Beim Wechsel nach Seldinger musst Du dagegen den Absaugkatheter schräg anschneiden; dann benutzt Du ihn als Führungsschlauch für die neue Kanüle.
  • Hast Du sichergestellt, dass der Patient wohlauf ist? Vitalzeichen prüfen.
  • Aufräumen nicht vergessen!

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