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Alles zur Hygiene bei einer PEG Sonde und weiteren medizinisch-pflegerischen Maßnahmen
– Kompakt und verständlich.

Nachdem wir nun im dritten Teil die Hygiene von Lebensmitteln & Lagerung von Arzneimittel kompakt und verständlich besprochen haben, widmen wir uns in diesem Teil unseres Blogbeitrags der Hygiene bei medizinisch-pflegerischen Maßnahmen. Da durch Manipulation während medizinisch pflegerischen Tätigkeiten das Risiko von Kontaminationen und Infektionen erhöht ist lernst du nun im dritten Teil den korrekten und Hygienischen Umgang bei medizinisch-pflegerischen Maßnahmen wie Bsp. bei der Grundpflege, Mundpflege, Inhalationen, Verbandswechsel usw.

Hygiene bei der Grundpflege

Zur Versorgung inkontinenter Pflegebedürftiger, bei der Intimpflege und zur Mundpflege solltest du jeweils Einmalhandschuhe tragen und ggf. weitere Schutzausrüstung. Materialien werden nur patientenbezogen benutzt (Kämme, Duschgel usw.) und werden nach Gebrauch gereinigt.

Ganzköperwaschung

Beachte bei einer Ganzköperwaschung die Reihenfolge von oben nach unten:

  • Gesicht
  • Oberkörper
  • Extremitäten
  • Intimbereich

Vor der Waschung des Intimbereiches erfolgt ein Waschwasserwechsel. Achte ebenfalls darauf, dass die Durchführung mit frischen Waschlappen und Handtüchern erfolgt.

Mundpflege

Routinemäßig erfolgt eine Mundpflege zweimal täglich, wobei du den Erhalt und die Förderung der Eigenständigkeit des Bewohners im Vordergrund stellen solltest. Zur Aspirationsprophylaxe wird die Mundpflege in Oberkörperhochlagerung durchgeführt.
Zur Mundpflege können verschiedenste Mittel, Lösungen oder Tees eingesetzt werden. Wenn der Patient nicht selbstständig schlucken kann sollte mind. 2x täglich der Mund-Nasenraum abgesaugt werden.

Inhalationen

Die sterilen Flüssigkeiten zur Inhalation und Sauerstoffbefeuchtung solltest du nach Herstellerangaben und der angegebenen Standzeiten sowie Aufbewahrungsmaßnahmen der Geräte und Zubehör verwenden.
Die Beschickung dieser Geräte sollten unter Berücksichtigung der Herstellerangaben so erfolgen, dass weder das Inhalt, noch die inhalatführenden Flächen kontaminiert werden. Mundstücke von Dosieraerosolen (Pumpsprayflaschen) musst du nach Gebrauch reinigen, indem du sie mit Trinkwasser ausspülst und abtrocknest.

Injektionen und Infusionen

Injektionen und Infusionen sind mit Komplikationsmöglichkeiten wie

  • Fehlinjektion (z.B. Ischiasnerv-Verletzung),
  • Fehlmedikation (z.B. versehentliche i.m.-Applikation eines zur s.c. Applikation bestimmten Medikamentes),
  • Infektion (z.B. Spritzenabszess) und der Selbstgefährdung (Kanülenstichverletzung) verbunden.

I.v. Injektionen- Zugänge und Blutentnahmen werden grundsätzlich vom Arzt durchgeführt.
I.m. und s.c. Injektionen und Überwachung von Infusionstherapie erfolgt durch erfahrenes und geschultes Personal. Ebenso die Verwendung von Insulinpens.

Bei der Durchführung muss eine schriftliche Anordnung des Arztes bestehen. Achte darauf, dass die Identität der Substanz immer nachvollziehbar ist.
Benutze für Injektionen immer sterile Instrumente und neue Kanülen und desinfiziere vor der Injektion die Hautstelle.

Verbandwechsel

Bei einem Verbandwechsel kann es aus unterschiedlichen Gründen zu Infektionsübertragungen und Keimverschleppungen kommen, indem Hautflora oder Atemtröpfchen des Personals auf die Wunde übertragen werden, indem kontaminierte Instrumente, Wundauflagen oder Medikamente übertragbare Keimpotentiale bilden oder indem von kontaminierten oder infizierten Wunden ausgehend Keime auf weitere Bewohner übertragen werden.

Daher solltest du folgende wichtige Prinzipien berücksichtigen bei einem aseptischen Verbandswechsel beachten:

  • Non Touch Prinzip
  • Schriftliche Anordnung (Häufigkeit, Vorgehensweise, Medikamente, Material, Wundauflagen usw.)
  • Kontinuierliche und ordnungsgemäße Wunddokumentation
  • Alle mit der Wundfläche in Berührung kommenden Gegenstände müssen steril sein
  • Infizierte Wunden immer zum Schluss versorgen
  • Verbände so wählen, dass Wundsekret aufgenommen werden kann
  • Aufwändige Verbandswechsel immer zu zweit durchführen
  • Wundsekret ist immer potenziell infektiös zu behandeln

Hier kannst du ein Video von unserem Pflegeexperten zum SBK Verbandswechsel anschauen:

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Wir bieten auch hierzu Kurse zum Thema PEG Verbandswechsel, Verbandswechsel eines Suprapubischen Katheters, Tracheostoma Verbandswechsel und weitere spannende Kurse an, schau doch man in unseren e-Learning Kurskatalog vorbei!

Hygiene bei fortgeschrittenen pflegerischen Maßnahmen

In diesem Abschnitt gehen wir auf die Hygiene bei fortgeschrittenen pflegerischen Maßnahmen ein und erläutern diese.

Stomata

Bei einer unsachgemäßen Versorgung von Stomata (Enterostoma oder Urostoma) kann es u.a. zu Entzündungen der Stomaöffnung kommen. Ebenso ist es möglich, dass Keime von einem Stoma bzw. den vorhandenen Sekreten auf Mitbewohner übertragen werden und dort unterschiedliche Infektionen auslösen. Die Durchführung der Stomapflege obliegt daher den darin erfahrenen Fachkräften.

Hier haben wir für dich ein Video zur Anus Praeter Versorgung

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Harndrainagen

Harndrainagen bergen die Gefahr von Harnwegsinfektionen. Das Einlegen und Wechseln transurethraler Katheter bleibt Fachpersonal vorbehalten, welches mit der korrekten Einlegetechnik vertraut ist. Daher musst du dabei aseptisch Arbeiten. Die Durchführung von transurethralen Katheterisierungen bedingt eine ordnungsgemäße schriftliche ärztliche Anordnung.
Da Katheterurin in der Regel stark keimhaltig solltest du diesen stets als potentiell infektiös einstufen. Deshalb solltest du beim Umgang mit Urin entsprechende Maßnahmen des Personal- und Infektionsschutzes beachten, wie in unserem ersten Teil der Serie „Grundlagen der Hygiene in der Pflege Teil 1 – Personalhygiene & Schutz vor Biostoffen“ in Kapitel 4. Kleidung und Schutzausrüstung besprochen.

Umgang mit transurethralen Langzeitkathetern

Die Reinigung des Genitals bei liegendem Katheter erfolgt im Rahmen der üblichen Grundpflege mit Wasser und Seife, ohne hierbei Zug auf den Katheter auszuüben. Trage hierfür Schutzhandschuhe und überprüfe hierbei, ob der Katheter intakt und durchgängig ist. Bei Infektionszeichen ist eine ärztliche Rücksprache und ggf. die Entfernung des Katheters erforderlich.

Umgang mit suprapubischen Drainagen

Hier ist ein aseptischer Verbandswechsel in der ersten Zeit nach Anlage erforderlich. Wenn die Einstichstelle nicht mehr sekretiert und frei von Entzündungszeichen ist, kann sie offengelassen und innerhalb der Körperpflege mit einem frischen Waschlappen und frischem Wasser gereinigt werden.
Du solltest die Einstichstelle täglich auf Veränderungen insbesondere auf Infektionszeichen wie Rötung, Schwellung, Schmerz und Sekretbildung sowie Durchgängigkeit überprüfen.

Umgang mit Harnableitungssystemen

Zur Harnableitung werden ausschließlich geschlossene Systeme verwendet. Wenn diskonnektiert werden muss, wird vor der erneuten Verbindung die Anschlussstelle desinfiziert. Beachte hierbei, dass der Ableitungsschlauch nicht abknicken darf. Der Auffangbeutel soll stets unter Blasenniveau, freihängend sein.

Enterale Ernährung

Dabei handelt es sich um die direkte Zuführung von Nahrung mittels einer Sonde in den Magen (PEG) oder (selten) in den Dünndarm (FNKJ oder PEJ).

Umgang mit PEG-Sonden

Innerhalb der ersten 7 – 10 Tage nach Anlage einer PEG-Sonde ist die Eintrittsstelle aseptisch zu verbinden und auf Entzündungszeichen zu beobachten.
Wenn sich das PEG-Stoma entzündungsfrei etabliert hat, kannst du die Einstichstellenumgebung ganz normal waschen; ein Verbandwechsel erübrigt sich. Die Durchgängigkeit und Position solltest du ebenfalls überprüfen.

Luca zeigt dir im folgenden Video die Durchführung eines PEG Verbandswechsels:

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Umgang mit Sondennahrung

Zum Durchspülen von Sonden kannst du keimarmes Wasser bzw. Tee verwenden. Hierzu wird zweimal täglich Wasser abgekocht und in einen sauberen Krug geschüttet.

Lagerung von Sondennahrung

  • Flaschen mit Sondennahrung oder Packungen mit Pulver solltest du vor Staub, Wärme und direkter Sonneneinstrahlung geschützt lagern.
  • Angebrochene Nahrung wird bei 4-6 Grad gelagert, beschriftet und innerhalb von 24 Stunden verbraucht.
  • Bei Zimmertemperatur kannst du angebrochene Nahrung maximal 4 Stunden lagern.

Medikamentengabe via PEG

  • Verwende zur Verdünnung keimarmes Wasser.
  • Vor der Medikamentengabe solltest du die Sonde mit ca. 20 ml keimarmen Wasser spülen.
  • Jedes Medikament muss gesondert appliziert werden. Danach wird die Sonde mit 5 ml gespült.
  • Nach der Medikamenten-Applikation erfolgt eine Schlussspülung mit 20 ml.

Stomatitisprophylaxe

Durch mangelnde Kautätigkeit besteht die Gefahr von Infektionen der Mundschleimhaut.
Der betroffene Bewohner sollte täglich mind. 2-mal die Zähne putzen oder die Mundpflege durchführen.
Kann der Bewohner die Mundpflege selbst nicht durchführen, kannst du diese mit frisch abgekühltem Wasser oder Tee übernehmen.

Tracheostomata und Trachealkanülen

Als Tracheostoma bezeichnet man die operativ angelegte Öffnung der Luftröhre (Tracheotomie) nach außen.
Mit einer Trachealkanüle wird das Zuwachsen des Tracheostomas verhindert und somit ein dauerhafter Zugang von außen zur Luftröhre geschaffen. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Trachealkanülen aus Kunststoff, Metall, ein- oder zweiteilig usw.
Es muss davon ausgegangen werden, dass bei einem Tracheostoma die Hautumgebung massiv mit Keimen besiedelt ist und Infektionen auslösen kann.

Umgang mit Tracheostoma

Ein frisch angelegtes Tracheostoma (d.h. 2 – 4 Wochen nach Anlage) bzw. ein Tracheostoma mit Wundanteilen muss, wie jede andere Wunde auch, aseptisch verbunden werden.
Bei einem etablierten, von Hautläsionen oder Entzündungen freien Tracheostoma genügt die tägliche Reinigung mit seifenfreiem Wasser im Rahmen der Grundpflege unter Verwendung eines nicht fuselndem Einmaltuches. Bitte beachte, dass keine Flüssigkeit in das Tracheostoma eindringen.
Das Tracheostoma wird auf Enzündungszeichen und Läsionen sowie Verlegung und Materialschäden der Trachealkanüle beobachtet.

Hier kannst du die Versorgung eines Tracheostomas sehen

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Auch hier findest du spannende e-Learning Kurse zum Umgang mit Tracheostoma

Umgang mit Trachealkanülen

Trachealkanülen sind semikritische Medizinprodukte, bei welchen der Hersteller die Vorgehensweisen und Mittel zur Aufbereitung festlegt.
Jeder manuelle Umgang von Trachealkanülen durch das Pflegepersonal erfordert eine Händedesinfektion und das Tragen von Schutzhandschuhen.
Innenkanülen werden zweimal täglich und bei Bedarf mit Trinkwasser gereinigt und wiedereingesetzt (Desinfektion nicht notwendig).
Der Austausch von Außenkanülen bzw. von einteiligen Kanülen gegen eine aufbereitete Kanüle erfolgt nach individuell festzusetzenden Intervallen und bei Bedarf (idR. alle 28 Tage).
„Feuchte Nasen“ sind nicht aufzubereiten und müssen je nach Herstellerangaben und Sekretaufkommen gewechselt werden.
Haltebändchen verschmutzen leicht. Sie müssen täglich sowie bei Bedarf gewechselt werden.

In folgenden Videos siehst du verschiedene Trachealkanülenwechsel Methoden (Klassische und Seldinger Technik) sowie verschiedene Trachealkanülenarten

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Wir haben alle wichtigen Informationen zum Trachealkanülenwechsel und Reinigung von Innenkanülen hier für dich in folgendem Kurs zusammengefasst: Cuffdruck und Entblockung

Absaugen von Atemwegsekreten

Beim Absaugen von Atemwegsekreten wird zwischen oral, nasal vom endotrachealem Absaugen unterschieden. Endotracheales Absaugen ist mit möglichen Komplikationen verbunden, beispielweise Verletzungen der Schleimhaut oder Reizung des Vagus Nervs, was zu Bradykardie führen kann. Absaugen ist nur von befähigten Fachkräften durchzuführen. Zum Absaugen wird ein Absauggerät benötigt, in welches die Fachkraft eingewiesen und im Umgang vertraut ist.
Da Atemwegsekrete keimhaltig sind, muss der Personal- und Infektionsschutz (sterile Handschuhe und Mund-Nasenschutz) beachtet, sowie eine Händedesinfektion vorher durchgeführt werden.
Benutze einen sterilen einmal Absaugkatheter zum Absaugen und spüle nach dem Absaugen den Verlängerungsschlauch mit keimarmem Wasser durch.
Achte darauf, den Verlängerungsschlauch regelmäßig gemäß den Herstellerangaben zu wechseln. Es wird während des Absaugens eine Aspirationsprophylaxe durchgeführt (Oberkörperhochlagerung).

Hier zeigen wir dir ein Video zum Endotrachealen Absaugen

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Hier haben wir für dich einen Kurs zum endotrachealen Absaugen erstellt, mit weiteren Informationen und Wissensabfragen.

Abschluss

Wir hoffen, dass dir Teil 4 des Blogbeitrags gefallen hat und du einige neue Erkenntnisse mitnehmen konntest. Im 5 und letzten Teil geht es dann noch um die Multiresistenten Erreger (MRE) sowie den Infektionsketten.

Bleib dabei und viel Spaß.

Du kannst dir >>HIER<< auch den gesamten Beitrag zur Grundlage der Hygiene als PDF herunterladen.

Diesen und weitere Inhalte findest Du ebenfalls in unserem eLearning Kurskatalog. Dadurch können Pflegekräfte sich einfach, jederzeit und bequem von überall weiterbilden. Wir honorieren erfolgreich besuchte eLearning Schulungen mit einem Zertifikat. Auf unserer eLearning Plattform „Digital Medical Academy“ stehen Ihnen eine Vielzahl an digitalen Schulungen zu relevanten Pflegethemen kostenlos zur Verfügung.

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