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Die Grundlagen in der Pflege –
Alles zur Personalhygiene und dem Schutz vor Biostoffen

Unser erster Beitrag widmet sich dem Thema der Hygiene in der Pflege. Hygiene ist elementarer Bestandteil des Alltags vieler Pflegefachkräfte und das nicht erst seit Corona. Deshalb werden Sie in diesem Beitrag lernen, wann und wie man Hygienemaßnahmen situationsspezifisch anzuwenden und umzusetzen hat.

Da dieses Thema sehr umfassend ist, haben wir uns dafür entschieden, dieses Thema auf mehrere Beiträge zu teilen. Deshalb behandeln wir in diesem ersten Beitrag die Personalhygiene und den Schutz vor Biostoffen.

Bevor wir mit dem eigentlichen Thema beginnen, möchten wir vorab folgende rechtlichen Themen erwähnen:

  • Die enthaltenen Maßnahmen und Informationen basieren auf den folgenden Quellen: Robert Koch Institut, Landesgesundheitsamt NLGA, BioStoffV, Infektionsschutzgesetz (IfSG), Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Springer Pflege.
  • Sofern an Ihrem Arbeitsplatz andere arbeitsplatzspezifische Unterschiede gegenüber dieser Unterweisung vorliegen, ersetzen diese Inhalte nicht die Anforderungen aus § 4 Abs. 1 BGV A1, sondern sind als Ergänzung dazu zu betrachten.

Übrigens können Sie die Inhalte dieses Beitrags auch in aufbereiteter Form eines Schulungsskriptes kostenlos herunterladen unter:
https://www.digital-identity.cc/pflegeschulungen/

 

Warum ist Hygiene wichtig?

Hygiene, hygienisches Verhalten und das richtige Hygienekonzept in der Pflege bieten Schutz vor Infektionen.

Dabei sollen die Hygienemaßnahmen die Übertragung von sog. Krankheitskeimen zum Wohle der Patienten als auch des Pflegepersonals verhindern bzw. das Risiko einer Übertragung verringern. Außerdem soll durch den Einsatz von hygienisch einwandfreien Produkten und dem hygienischen Umgang mit diesen das Risiko von Infektionen durch das Produkt ausgeschlossen werden.

 

Was genau ist eigentlich Hygiene?

Grundsätzlich umfasst Hygiene alle Maßnahmen, die der Vermeidung von Krankheiten und der Gesunderhaltung des Menschen dienen. Dafür gilt es die Einflüsse, welche gesundheitsschädigend sind, zu erkennen, zu beurteilen und zu vermeiden. Solche schädlichen Einflüsse sind zum Beispiel bestimmte Viren und Bakterien. Im pflegerischen Alltag gibt es viele konkrete Beispiele, bei welchen Hygiene wichtig ist: von der Hände- über die Körperhygiene bis hin zur Hygiene bei einem Verbandswechsel.

 

Vor welchen Biostoffen und Infektionserregern schützt uns Hygiene?

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Allgemeine Anforderungen

Für direkt am und mit Patienten arbeitenden Personen gilt:

  • Sauberes und ordentliches Erscheinungsbild
  • Gepflegter Zustand der Hände (kurze und unlackierte Nägel)
  • Bei der Durchführung medizinisch-pflegerischer Maßnahmen dürfen an Händen und Unterarmen keine Schmuckstücke (auch keine Uhren) getragen werden.
  • Langes Haar ist so zu tragen, dass es nicht in den Arbeitsbereich herabhängt.
  • Es ist eigenverantwortlich darauf zu achten, dass sich die Dienstkleidung in einem sauberen Zustand befindet.
  • Sofern Sie Krankheitserreger ausscheiden oder Unverträglichkeitsreaktionen im Zusammenhang mit Diensttätigkeiten aufweisen, sollten Sie Ihre Führungskraft darüber informieren.

Die Hände richtig hygienisch pflegen

Die Händehygiene in der Pflege ist als wichtigste Maßnahme der Basishygiene integraler Bestandteil aller KRINKO-Empfehlungen, welche von der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention herausgegeben werden. In den folgenden Kapiteln werden in Kurzform die hygienische Händedesinfektion, Hautwaschung, Hautschutz und Hautpflege beschrieben.

Waschen

Indikation und Durchführung vom Hände waschen / Händehygiene in der Pflege

Indikation und Durchführung des Händewaschens

Bitte beachten Sie, dass die Händewaschung keine Händedesinfektion ersetzt.

Hygienische Händedesinfektion

Laut dem RKI gelten die Hände des Personals als die wichtigsten Überträger von Krankheitserregern, da dieses bei Maßnahmen am Patienten sowie bei Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung mit potenziell pathogenen Erregern kontaminiert werden. Daher gilt auch die hygienische Händedesinfektion weltweit als die wirkungsvollste Einzelmaßnahme zur Unterbrechung von Infektionsketten in Gesundheitseinrichtungen ebenso wie in Pflegeeinrichtungen und damit zum Schutz vor nosokomialen Infektionen.

Indikationen zur hygienischen Händedesinfektion:

  • Vor Patientenkontakt: Um den Patienten vor Erregern, welche die Hand der Pflegekraft temporär besiedeln, zu schützen
  • Vor aseptischen Tätigkeiten: Um den Patienten vor Eintragung potenziell krankmachender Erreger (inkl. seiner eigenen Standortflora) in sterile Körperbereiche zu schützen
  • Nach Patientenkontakt, nach Kontakt mit Oberflächen in unmittelbarer Umgebung des Patienten bzw. nach Kontakt mit infektiösen Materialien (auch während einer Maßnahme): Zum Schutz des Personals und der erweiterten Patientenumgebung vor potenziell krankmachenden Erregern sowie zum Schutz nachfolgender Patienten

Im folgenden Video erklärt unser Pflegeexperte Gianluca die korrekte Durchführung der hygienischen Händedesinfektion.

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Eine Liste der verfügbaren Händedesinfektionsmittel finden Sie hier:

  • Entweder in diesem Buch „Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) (Hrsg) (2015) Desinfektionsmittel-Liste des VAH. mhp-Verlag, Wiesbaden“
  • Online gibt es ebenfalls eine Version der Liste: https://vah-online.de/de/vah-liste

Hautpflege und Hautschutz in der Pflege

Zur richtigen Hygiene gehört auch die Pflege der Haut, da sich eine Vernachlässigung der Hautpflege schnell negativ auf die Händedesinfektion auswirken kann. Laut dem RKI stehen berufsbedingte Hauterkrankungen seit vielen Jahren an der Spitze der Berufskrankheiten. Das liegt zum einen an falschen Methoden der Händehygiene, d.h. die Hände werden zu viel gewaschen anstatt alkoholische Händedesinfektionsmittel (HDM) zu benutzen, zum anderen am ungenügenden Einsatz von Hautschutz- und Hautpflegemitteln. Somit dient Hautpflege vorrangig dem Arbeitsschutz und ist zugleich Voraussetzung für eine effektive Händedesinfektion, da kleinste Risse bzw. Mikrotraumen in der Haut zu Eintrittspforten für Krankheitserreger und zum Erregerreservoir werden können.

Zusammenfassung Hautpflege und Hautschutz / Hautschutz in der Pflege

Zusammenfassung Hautpflege und Hautschutz

Handschuhe

Unterscheidung der verschiedenen Typen von Handschuhen

Unterscheidung der verschiedenen Typen von Handschuhen

Dienstkleidung und Schutzausrüstung

Auch das Tragen von Dienstkleidung trägt zur Infektionsprävention bei. Denn während der Arbeit kommt eine Pflegefachkraft mit vielen infektiösen Stoffen in Kontakt. Somit kann die Arbeitskleidung genauso Keime an sich tragen wie die Kleidung oder Bettwäsche eines infizierten Bewohners. Daher gilt es grundlegend folgende Dinge zu beachten:

  • Das Tragen Ihrer Dienstkleidung ist verpflichtend. Diese darf während pflegerischer Tätigkeiten nicht durch private Kleidung (z.B. Strickjacken) ergänzt oder ersetzt werden.
  • Kontaminierte Dienstkleidung ist sofort zu wechseln. Achten Sie darauf, dass Kleidung zum Wechseln vor Ort verfügbar ist.
  • Sie sind für die Sauberkeit und Intaktheit Ihrer Dienstkleidung verantwortlich. Dabei wird ein sauberes und ordentliches Erscheinungsbild erwartet.
  • Das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) wie Handschuhe, Schürzen, Kittel, Mund- & Nasenschutz, Atemschutzmasken oder Schutzbrillen erfolgt rein situativ und strikt patientenbezogen (kurz vor der Maßnahme anlegen und unmittelbar danach wieder ablegen).
  • Alle Einmalmaterialien werden als kontaminierter Abfall, wie jede andere PSA auch, stets am Gebrauchsort entsorgt.

Das Ablegen der Schutzkleidung bedarf besonderer Beachtung, da es beim Ausziehen der Schutzkleidung leicht zu Kontaminationen kommen kann. Folgendes Vorgehen wird empfohlen:

Richtige Reihenfolge zum Ablegen von Schutzausrüstung / Grundlagen der Hygiene in der Pflege

Richtige Reihenfolge zum Ablegen von Schutzausrüstung

Verletzungsprophylaxe

Um Verletzungen oder Kontamination zu vermeiden, sind

  • spitze oder scharfe Gegenstände (Kanülen, Blutzuckerlanzetten, etc.) nach Gebrauch an Ort und Stelle in durchstichfesten Behältnissen zu entsorgen.
  • benutzte Kanülen zwischenzeitlich niemals abzulegen.
  • Kanülenkappen aufgrund der Stich- und Infektionsgefahr keinesfalls wieder auf Nadeln oder Kanülen aufzustecken (recapping).

Falls es doch zu einer Kontamination kommt, müssen Sie folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Bei Stich- und Schnittverletzungen:
    • Üben Sie unmittelbaren Druck (1 Min.) auf das umliegende Gewebe aus, damit die Wunde ausbluten kann.
    • Spülen Sie die Wunde mit Wasser oder physiologischer Kochsalzlösung.
    • Desinfizieren Sie die Wunde mit Hautdesinfektionsmittel (10 Min. Einwirkzeit).
    • Legen Sie einen Wundverband an.
  • Bei Kontamination des Auges:
    • Spülen Sie das Auge sofort gründlich mit Leitungswasser.
  • Bei Kontamination der Mundhöhle:
    • Spucken Sie aus und spülen Sie Ihren Mund sofort mit reichlich Leitungswasser.
  • Bei Kontamination vorgeschädigter Haut:
    • Spülen Sie die Haut ausgiebig und desinfizieren Sie diese anschließend (10 Min. Einwirkzeit).

>>HIER<< können Sie sich den gesamten Beitrag zur Grundlage der Hygiene als PDF herunterladen.

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