Expertenstandard: Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz

Die entscheidende Rolle der Beziehungsgestaltung bei Demenzpflege

Unser neuer detaillierter eLearning-Kurs zusammen mit einem informativen Video setzen sich mit einem der bedeutendsten Aspekte in der Pflege auseinander: die Beziehungsgestaltung zu Menschen mit Demenz. Dieser Blogbeitrag bietet einen tieferen Einblick in die Bedeutung von Demenz, die Inhalte unseres Kurses und die damit verfolgten Ziele.

Diese Erkrankung, die sich durch das Nachlassen der Verstandeskraft kennzeichnet, beeinträchtigt nicht nur die kognitiven Funktionen der Betroffenen, sondern auch ihre emotionalen und sozialen Fähigkeiten. Dadurch wird die Fähigkeit, alltägliche Aufgaben zu bewältigen und soziale sowie berufliche Funktionen aufrechtzuerhalten, signifikant beeinflusst. In einer Welt, die oft durch Unverständnis und Isolation geprägt ist, können Beziehungen ein Leuchtfeuer der Hoffnung und des Verständnisses sein.

Die Beziehungsgestaltung in der Pflege spielt eine entscheidende Rolle, um die Lebensqualität und das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz zu verbessern. Durch person-zentrierte Interaktions- und Kommunikationsangebote wird nicht nur die Beziehung zwischen den Pflegenden und den Patienten gestärkt, sondern es wird auch ein unterstützendes Umfeld geschaffen, das den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen gerecht wird.

In diesem Artikel beleuchten wir, warum die Beziehungsgestaltung so wichtig ist und wie sie effektiv in die Pflegepraxis integriert werden kann. Wir tauchen in die verschiedenen Aspekte der Beziehungsgestaltung ein, von der Erfassung des Unterstützungsbedarfs über die Planung und Durchführung von Maßnahmen bis hin zur Evaluation und Anpassung dieser Maßnahmen. Mit praxisnahen Fallbeispielen und einem umfassenden Einblick in die Thematik zielt dieser Artikel darauf ab, Pflegenden das nötige Rüstzeug zu geben, um eine positive und unterstützende Beziehung zu Menschen mit Demenz aufzubauen und zu pflegen.

Begleite uns auf dieser Reise, um die tiefgreifenden Auswirkungen der Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz zu verstehen und zu erfahren, wie wir gemeinsam die Pflegepraxis zum Besseren verändern können.

Grundlagen der Demenz

Demenz ist mehr als nur ein vorübergehendes Vergessen von Namen oder Terminen; es ist eine umfassende Erkrankung, die tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen hat. Der Begriff „Demenz“ leitet sich vom lateinischen Wort „demens“ ab, was „ohne Geist“ bedeutet. Diese wörtliche Übersetzung spiegelt jedoch nur einen Bruchteil der Realität von Menschen mit Demenz wider. In Wirklichkeit steht Demenz für eine Gruppe von Symptomen, die durch verschiedene Erkrankungen des Gehirns verursacht werden, am bekanntesten durch die Alzheimer-Krankheit.

Definition und Hintergrund

Demenz kennzeichnet sich durch den Verlust der kognitiven Funktionen – das heißt, des Denkvermögens, der Erinnerungsfähigkeit und der Entscheidungskraft. Diese Beeinträchtigungen sind stark genug, um die täglichen Aktivitäten und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich zu stören. Neben den kognitiven Defiziten erleben Menschen mit Demenz oft auch Veränderungen in Persönlichkeit, Verhalten und emotionalen Reaktionen.

Verschiedene Formen der Demenz

Obwohl Alzheimer die häufigste Ursache ist, gibt es verschiedene Arten von Demenz, einschließlich vaskulärer Demenz, Lewy-Körper-Demenz und frontotemporaler Demenz. Jede Form hat ihre eigenen charakteristischen Merkmale und Symptome, basierend auf dem Teil des Gehirns, der betroffen ist.

Auswirkungen auf die kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten

Die Auswirkungen von Demenz sind weitreichend. Kurzzeitgedächtnisverlust ist oft eines der ersten Symptome, aber die Krankheit kann auch die Fähigkeit beeinflussen, zu denken, zu planen, zu organisieren und Probleme zu lösen. Emotional können Menschen mit Demenz Verwirrung, Angst oder Depression erleben. Sozial gesehen führt die Krankheit oft zu einem Rückzug aus gesellschaftlichen Aktivitäten und kann die Beziehungen zu Familie und Freunden belasten.

Die Bedeutung des Verständnisses

Ein tiefgehendes Verständnis dieser Grundlagen ist entscheidend, um die Herausforderungen und Bedürfnisse von Menschen mit Demenz zu erkennen und adäquat darauf reagieren zu können. Die Pflege und Unterstützung von Menschen mit Demenz erfordert ein spezialisiertes Wissen, das auf die Besonderheiten der verschiedenen Demenzformen und ihre Auswirkungen eingeht.

Indem wir die Grundlagen der Demenz verstehen, können wir beginnen, die komplexen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz zu adressieren und eine Pflege bereitzustellen, die nicht nur unterstützend und effektiv ist, sondern auch die Würde und das Wohlbefinden der Betroffenen bewahrt.

Ebene 1 – Erfassung des Unterstützungsbedarfs

Die adäquate Betreuung von Menschen mit Demenz beginnt mit einer sorgfältigen und einfühlsamen Erfassung des Unterstützungsbedarfs. Dieser Schritt ist grundlegend, um ein tiefes Verständnis für die individuellen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Präferenzen der betroffenen Personen zu entwickeln. Die Erfassung des Unterstützungsbedarfs ermöglicht es Pflegenden, personalisierte Pflegepläne zu erstellen, die nicht nur die körperlichen, sondern auch die emotionalen und sozialen Anforderungen der Menschen mit Demenz berücksichtigen.

Individualisierte Beurteilung

Die Beurteilung sollte so individualisiert wie möglich sein, da Demenz jeden Menschen anders betrifft. Eine umfassende Erfassung umfasst die Bewertung der kognitiven Funktionen, der physischen Gesundheit, der emotionalen Zustände sowie der sozialen und umweltbedingten Faktoren, die das Wohlbefinden beeinflussen können. Hierbei ist es wichtig, nicht nur die Defizite, sondern auch die verbliebenen Fähigkeiten und Stärken der Person zu erkennen.

Einbeziehung von Angehörigen

Die Einbeziehung von Familienmitgliedern und anderen Betreuungspersonen ist ebenfalls entscheidend, da sie wertvolle Einblicke in die Gewohnheiten, Vorlieben und Lebensgeschichte der betroffenen Person bieten können. Diese Informationen sind besonders wertvoll, um personalisierte und sinnvolle Betreuungsstrategien zu entwickeln, die die Lebensqualität der Menschen mit Demenz verbessern.

Kommunikative Ansätze

Bei der Erfassung des Unterstützungsbedarfs ist es zudem wichtig, effektive kommunikative Ansätze zu nutzen. Pflegende müssen möglicherweise ihre Kommunikationstechniken anpassen, um sicherzustellen, dass sie verständlich sind und die Bedürfnisse der Person mit Demenz richtig interpretieren können. Dies kann den Einsatz von nicht-verbaler Kommunikation, geduldigem Zuhören und der Bestätigung der Gefühle der Person mit Demenz einschließen.

Schaffung einer vertrauensvollen Beziehung

Ein wesentlicher Aspekt bei der Erfassung des Unterstützungsbedarfs ist der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen dem Pflegenden und der Person mit Demenz. Eine solche Beziehung ermöglicht eine offenere Kommunikation und erleichtert die genaue Erfassung des Bedarfs. Vertrauen und Verständnis dienen als Fundament für eine effektive Beziehungsgestaltung und sind essenziell, um die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz angemessen zu unterstützen und ihre Autonomie zu fördern.

Die Erfassung des Unterstützungsbedarfs ist ein dynamischer Prozess, der regelmäßig überprüft und angepasst werden muss, um den sich verändernden Bedürfnissen von Menschen mit Demenz gerecht zu werden. Durch eine sorgfältige und empathische Beurteilung können Pflegende die Grundlage für eine personalisierte, respektvolle und wirkungsvolle Betreuung schaffen.

Ebene 2 – Maßnahmenplanung

Nachdem der Unterstützungsbedarf von Menschen mit Demenz sorgfältig erfasst wurde, folgt die essenzielle Phase der Maßnahmenplanung. Diese Stufe ist kritisch, um sicherzustellen, dass die ermittelten Bedürfnisse in konkrete, umsetzbare Pflege- und Unterstützungspläne übersetzt werden. Eine effektive Planung berücksichtigt die Individualität jedes Menschen mit Demenz und zielt darauf ab, dessen Autonomie, Würde und Lebensqualität zu fördern.

Entwicklung personalisierter Pflegepläne

Der Kern der Maßnahmenplanung ist die Entwicklung von personalisierten Pflegeplänen, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Präferenzen der Person mit Demenz abgestimmt sind. Diese Pläne sollten nicht nur medizinische und pflegerische Aspekte abdecken, sondern auch Aktivitäten des täglichen Lebens, soziale Interaktionen und persönliche Interessen berücksichtigen. Dabei ist es wichtig, die verbleibenden Fähigkeiten der Person zu nutzen und zu fördern, um ein möglichst hohes Maß an Selbstständigkeit zu erhalten.

Einbeziehung von Menschen mit Demenz und Angehörigen

Ein partizipativer Ansatz, der Menschen mit Demenz und deren Angehörige in die Planung einbezieht, ist wesentlich für den Erfolg der Maßnahmen. Durch ihre Beteiligung können wertvolle Perspektiven und Wünsche in die Planung einfließen, die die Akzeptanz und Zufriedenheit mit den ergriffenen Maßnahmen erhöhen. Diese Zusammenarbeit stärkt zudem das Gefühl der Einbindung und Wertschätzung bei den Betroffenen und ihren Familien.

Ziele setzen und Prioritäten definieren

Bei der Maßnahmenplanung ist es wichtig, klare, erreichbare Ziele zu setzen und Prioritäten zu definieren. Die Ziele sollten realistisch, messbar und auf die Verbesserung spezifischer Aspekte des Wohlbefindens ausgerichtet sein. Prioritäten helfen dabei, die wichtigsten Bedürfnisse zu adressieren und Ressourcen effizient einzusetzen.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die Planung und Umsetzung der Maßnahmen erfordert oft eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Berufsgruppen, wie Pflegekräften, Therapeuten, Sozialarbeitern und Ärzten. Eine gute Kommunikation und Koordination innerhalb des Teams sind entscheidend, um eine konsistente und umfassende Unterstützung zu gewährleisten.

Flexibilität und Anpassung

Flexibilität ist ein Schlüsselelement der Maßnahmenplanung. Da sich die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz im Laufe der Zeit ändern können, müssen Pflegepläne regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Diese dynamische Anpassung ermöglicht es, auf neue Herausforderungen zu reagieren und die Pflege kontinuierlich zu optimieren.

Die Maßnahmenplanung ist ein zentraler Schritt in der Pflege von Menschen mit Demenz, der eine sorgfältige Abwägung von Bedürfnissen, Wünschen und Ressourcen erfordert. Durch die Entwicklung personalisierter, flexibler Pflegepläne in enger Zusammenarbeit mit den Betroffenen und deren Angehörigen können Pflegende eine qualitativ hochwertige, respektvolle und effektive Unterstützung bieten.

Ebene 3 – Information, Beratung & Anleitung

Ein essentieller Bestandteil der Pflege und Unterstützung von Menschen mit Demenz ist die Bereitstellung von Information, Beratung und Anleitung für die Betroffenen sowie deren Angehörige und Pflegende. Diese Stufe ist entscheidend, um das Verständnis für die Erkrankung zu vertiefen, effektive Betreuungsstrategien zu entwickeln und die Selbstständigkeit der Betroffenen so weit wie möglich zu erhalten.

Vermittlung von Wissen über Demenz

Eine fundierte Aufklärung über Demenz, ihre Symptome, den Verlauf und die Auswirkungen auf das tägliche Leben ist grundlegend. Sowohl Betroffene als auch Angehörige stehen oft vor Herausforderungen, die durch Unwissenheit und Missverständnisse noch verstärkt werden können. Durch gezielte Informationsangebote können Ängste abgebaut und ein besseres Verständnis für die Situation geschaffen werden.

Neben allgemeinen Informationen zu Demenz ist die Beratung zu spezifischen Themen wie Verhaltensänderungen, Kommunikationstechniken oder Umgang mit herausfordernden Situationen von großer Bedeutung. Solche Beratungen sollten individuell angepasst sein und praktische Lösungsansätze bieten, die auf die Bedürfnisse und die Lebenssituation der Betroffenen zugeschnitten sind.

Anleitung und Unterstützung

Praktische Anleitungen und Unterstützungen für den Alltag sind unerlässlich, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen zu verbessern. Dies kann Schulungen zu Pflegetechniken, Hinweise zur Gestaltung einer demenzfreundlichen Umgebung oder Anregungen für geeignete Aktivitäten umfassen. Ziel ist es, Angehörige und Pflegende zu befähigen, eine unterstützende und fördernde Betreuung zu leisten.

Die Verbesserung der Kommunikation zwischen Menschen mit Demenz, ihren Familien und Pflegekräften ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Effektive Kommunikationsstrategien können Missverständnisse reduzieren, die Teilhabe der Betroffenen am gesellschaftlichen Leben fördern und die Beziehung zwischen Pflegenden und Gepflegten stärken.

Stärkung der Netzwerke

Die Beratung und Anleitung sollten auch die Stärkung von Netzwerken und die Nutzung von Ressourcen innerhalb der Gemeinschaft umfassen. Die Vernetzung mit anderen Betroffenen und Angehörigen, der Zugang zu Selbsthilfegruppen oder die Vermittlung zu spezialisierten Diensten können eine wertvolle Unterstützung im Umgang mit Demenz bieten.

Die Bereitstellung von Information, Beratung und Anleitung spielt also eine zentrale Rolle. Indem Pflegende und Berater fundiertes Wissen vermitteln, praktische Anleitungen bieten und zur Stärkung der Kommunikation und Netzwerke beitragen, können sie einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen im Alltag leisten.

Ebene 4 – Koordination & Durchführung der Maßnahmen

Nach der sorgfältigen Planung und Vorbereitung der Pflegemaßnahmen ist der nächste Schritt die Koordination und Durchführung dieser geplanten Aktivitäten. Diese Phase ist entscheidend, um die Qualität der Pflege und die Effektivität der Unterstützung für Menschen mit Demenz sicherzustellen. Sie erfordert eine gute Organisation, Flexibilität und die kontinuierliche Anpassung an die Bedürfnisse und Veränderungen im Zustand der Betroffenen.

Koordination der Pflege

Die Koordination der Pflege umfasst die Organisation und Abstimmung der verschiedenen Aktivitäten und Dienste, die für die Betreuung von Menschen mit Demenz erforderlich sind. Dazu gehört die enge Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Team, das möglicherweise Ärzte, Pflegefachkräfte, Therapeuten, Sozialarbeiter und weitere Betreuungspersonen einschließt. Eine effektive Koordination sorgt dafür, dass alle Beteiligten über die Pflegeziele informiert sind und ihre Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden.

Die Durchführung des Pflegeplans erfordert eine hohe Fachkompetenz und Empathie von den Pflegenden. Sie müssen in der Lage sein, die festgelegten Maßnahmen anzuwenden, während sie gleichzeitig auf die emotionalen und physischen Reaktionen der Menschen mit Demenz achten. Die Flexibilität, Pflegepläne bei Bedarf anzupassen, ist hierbei von großer Bedeutung, um auf individuelle Bedürfnisse und Veränderungen im Zustand der Betroffenen eingehen zu können.

Integration von therapeutischen und aktivierenden Angeboten

Neben der Grundpflege und medizinischen Versorgung ist die Integration von therapeutischen und aktivierenden Angeboten in den Pflegealltag wesentlich. Aktivitäten, die an die Interessen und Fähigkeiten der Menschen mit Demenz angepasst sind, fördern deren Wohlbefinden und können helfen, vorhandene Kompetenzen zu erhalten oder sogar auszubauen. Solche Angebote reichen von Musiktherapie und kreativen Aktivitäten bis hin zu Bewegungsübungen und Gedächtnistraining.

Die Unterstützung der Angehörigen ist ebenfalls ein integraler Bestandteil der Durchführung der Pflegemaßnahmen. Angehörige spielen eine zentrale Rolle in der Betreuung und benötigen daher selbst Informationen, Beratung und praktische Anleitungen, um ihre Aufgaben bewältigen zu können. Die Einbeziehung und Unterstützung der Familien stärkt das Pflegenetzwerk und fördert eine ganzheitliche Betreuung.

Evaluation und Feedback

Ein kontinuierlicher Evaluationsprozess, der Feedback von den Betroffenen, Angehörigen und Pflegekräften einschließt, ist für die erfolgreiche Durchführung der Pflegemaßnahmen unerlässlich. Regelmäßige Überprüfungen des Pflegeplans ermöglichen es, Erfolge zu erkennen, Herausforderungen zu identifizieren und notwendige Anpassungen vorzunehmen, um die Qualität der Pflege kontinuierlich zu verbessern.

Die Koordination und Durchführung der Pflegemaßnahmen ist ein dynamischer Prozess, der eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten erfordert. Durch die umsichtige Umsetzung des Pflegeplans, die Integration von aktivierenden Angeboten und die kontinuierliche Unterstützung der Angehörigen kann eine ganzheitliche und effektive Betreuung von Menschen mit Demenz erreicht werden. Dies stärkt nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sondern unterstützt auch das Pflegepersonal und die Familien in ihrer anspruchsvollen Aufgabe.

Fallstudie

Um die praktische Anwendung der zuvor diskutierten Prinzipien und Schritte in der Pflege von Menschen mit Demenz zu illustrieren, betrachten wir eine Fallstudie, die die Komplexität und die Erfordernisse einer effektiven Beziehungsgestaltung und Pflege hervorhebt.

Hintergrund

Frau Müller ist eine 78-jährige Dame, die vor zwei Jahren die Diagnose Alzheimer-Demenz erhielt. Seitdem hat sie zunehmend Schwierigkeiten, alltägliche Aufgaben zu bewältigen, und zeigt Verhaltensänderungen, die sowohl für sie selbst als auch für ihre Familie herausfordernd sind. Ihr Kurzzeitgedächtnis ist besonders betroffen, und sie vergisst oft, Mahlzeiten einzunehmen oder Medikamente zu nehmen. Frau Müller lebt mit ihrem Ehemann in ihrem langjährigen Zuhause.

Erfassung des Unterstützungsbedarfs

Das Pflegeteam führte eine umfassende Beurteilung durch, die sowohl Gespräche mit Frau Müller als auch mit ihrem Ehemann und ihren erwachsenen Kindern umfasste. Dabei wurden ihre körperlichen Fähigkeiten, ihr emotionales Wohlbefinden und ihre sozialen Bedürfnisse erfasst. Besonderes Augenmerk wurde auf Frau Müllers Fähigkeit gelegt, Freude an Aktivitäten zu finden, die sie früher genossen hat, wie Gartenarbeit und Musikhören.

Maßnahmenplanung

Auf Basis der erfassten Bedürfnisse entwickelte das Team einen individuellen Pflegeplan, der regelmäßige Kontrollbesuche durch Pflegekräfte, die Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme, angepasste Aktivitäten zur kognitiven Stimulation und die Einbeziehung sozialer Kontakte umfasste.

Information, Beratung & Anleitung

Die Familie wurde ausführlich über die Erkrankung und den Umgang mit den Herausforderungen beraten. Zusätzlich wurden praktische Anleitungen zur Gestaltung eines demenzfreundlichen Zuhauses gegeben.

Das Pflegeteam koordinierte die Einbindung einer lokalen Tagespflegeeinrichtung, organisierte Musiktherapiesitzungen und stellte sicher, dass Frau Müller regelmäßige Gesundheitschecks erhielt. Die Maßnahmen wurden flexibel angepasst, um auf ihre sich verändernden Bedürfnisse einzugehen.

Evaluation

Nach drei Monaten führte das Team eine Evaluation durch, die zeigte, dass Frau Müllers Engagement in den angebotenen Aktivitäten zu einer Verbesserung ihres emotionalen Wohlbefindens geführt hatte. Feedbackgespräche mit der Familie bestätigten zudem eine Verringerung der Belastung für die Angehörigen.

Diese Fallstudie verdeutlicht, wie eine sorgfältige Erfassung des Unterstützungsbedarfs, eine individuelle Maßnahmenplanung, umfassende Information und Beratung sowie die koordinierte Durchführung und regelmäßige Evaluation der Pflegemaßnahmen zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihrer Familien führen können. Sie zeigt die Bedeutung einer ganzheitlichen Betrachtung und eines adaptiven Ansatzes in der Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz.

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz erfordert ein tiefes Verständnis der Erkrankung, ein hohes Maß an Empathie und eine fortwährende Anpassung der Pflegepraxis an die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen. Die in diesem Artikel diskutierten Ebenen – von der Erfassung des Unterstützungsbedarfs über die Planung und Durchführung von Maßnahmen bis hin zur Evaluation – bilden das Fundament für eine effektive Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz.

Wichtigste Punkte

  • Individuelle Bedürfniserfassung: Eine sorgfältige und empathische Erfassung des Unterstützungsbedarfs ist der erste Schritt, um die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten von Menschen mit Demenz zu verstehen.
  • Maßgeschneiderte Planung: Die Entwicklung eines individuellen Pflegeplans, der sowohl medizinische als auch soziale und emotionale Aspekte berücksichtigt, ist essenziel
  • Informative Unterstützung: Die Bereitstellung von Information, Beratung und praktischer Anleitung für Betroffene und ihre Angehörigen stärkt das Verständnis und die Fähigkeit zur Bewältigung der Herausforderungen.
  • Koordinierte Pflege: Eine effektive Koordination und Durchführung der Pflegemaßnahmen gewährleistet, dass alle Beteiligten zusammenarbeiten und die Pflegeziele erreicht werden.
  • Regelmäßige Evaluation: Die kontinuierliche Bewertung der Pflegemaßnahmen ermöglicht es, Anpassungen vorzunehmen und die Pflegequalität kontinuierlich zu verbessern.

Die Pflege von Menschen mit Demenz stellt zweifellos eine Herausforderung dar, bietet aber auch die Möglichkeit, das Leben der Betroffenen und ihrer Familien positiv zu beeinflussen. Durch die Anwendung eines strukturierten Ansatzes, der die individuellen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt, kann eine Pflegepraxis etabliert werden, die nicht nur die Symptome der Demenz adressiert, sondern auch das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Betroffenen fördert.

Fazit

Es ist die Verbindung von Fachwissen, Empathie und Engagement, die eine solche Betreuung ermöglicht. Die Pflege von Menschen mit Demenz erfordert ein Team von Pflegenden, Angehörigen und Fachkräften, die bereit sind, sich auf die Reise des lebenslangen Lernens und der Anpassung einzulassen, um den bestmöglichen Support zu bieten.

Die Pflege und Unterstützung von Menschen mit Demenz ist mehr als eine Reihe von Pflegemaßnahmen; sie ist eine Beziehung, die auf Verständnis, Respekt und Liebe basiert. Indem wir in die Qualität der Pflege und die Entwicklung der Beziehung zu Menschen mit Demenz investieren, tragen wir nicht nur zu deren Wohlbefinden bei, sondern bereichern auch unsere eigenen Leben. Letztendlich zeigt die Pflege von Menschen mit Demenz die tiefe Menschlichkeit, die in der Fürsorge für andere liegt, und erinnert uns an die Werte von Mitgefühl, Geduld und Respekt.

Wir haben zu diesem wichtigen Thema ebenfalls ein Video auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht:

 

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Geschrieben von:

Stephanie Traber